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GOLDWIND fragt – Spender antworten:

Mike (56*) fühlt sich eher als Zahler denn als Mitglied

Seit 1988 spendet Mike (56) regelmäßig Geld als Fördermitglied. Damals war er 18 Jahre alt, stand am Beginn seiner Ausbildung. Heute, fast 40 Jahre später, blickt er auf seine lange Spendenbiografie zurück. Im GOLDWIND-Interview wird deutlich: Die grundsätzliche Überzeugung ist noch da. Was auf der Strecke blieb, ist die Verbindung zur Organisation. Mike erzählt, was es aus seiner Sicht braucht, um die Nähe aufrechtzuerhalten.

Mike, Du bist 1988 mit 18 Jahren Fördermitglied bei Greenpeace geworden. Wie kam es dazu? 

Eigentlich ganz unspektakulär. Ich habe mich schon immer für Natur interessiert, mehr für Tiere als für Pflanzen, wenn ich ehrlich bin. Wenn irgendwo ein Bericht über Greenpeace war, habe ich den gelesen. Intensiv verfolgt habe ich das nicht. Internet gab es ja noch nicht. Man hat halt Zeitung gelesen oder Nachrichten geschaut. Mir gefiel, dass die wirklich was gemacht haben. Aktiv waren. Auch provokant. Nicht nur ein Fähnchen hochgehalten.

Dann war da irgendwann ein Stand, ich glaube bei einem Supermarkt. Ich wurde angesprochen, habe mir das durchgelesen und gedacht: Ja, warum nicht unterstützen? Es fühlte sich richtig an. Ich hatte gerade meine Ausbildung angefangen, also ein bisschen Geld verdient. So bin ich Fördermitglied geworden.

Wie war die Kommunikation mit Greenpeace damals?

Früher gab es diese etwas dickere Zeitschrift. Die habe ich immer gelesen. Es gab auch so eine Art kleinen Katalog, da konnte man Sachen bestellen, so Merch-Kram, z.B. Tassen. Das fand ich gar nicht schlecht. Wenn man etwas davon hatte, konnte man auch zeigen, dass man dazugehört.

Ich hatte zwischendurch sogar mal überlegt, aktiver zu werden. Es gibt oder gab eine Gruppe in der Nähe. Ich habe darüber nachgedacht, mich da zu melden. Aber ich habe es nie gemacht.

Was hat sich im Laufe der Zeit verändert?

Es wurde immer weniger an Informationen. Heute kommen vielleicht vier Zettelchen im Jahr, aber meistens geht es darum, für ein bestimmtes Projekt zusätzlich zu spenden. Das mache ich eigentlich nicht, denn ich bin ja schon Fördermitglied. Irgendwann habe ich trotzdem eine zusätzliche Spende angefangen, so eine Art Patenschaft für eine Fläche im Ozean. Seit vier oder fünf Jahren läuft das. Dazu kommt zusätzlich was. Aber insgesamt habe ich gemerkt: Man bekommt weniger Hintergrund, weniger Einblick.

Stört dich das?

Ja, schon. Mir fehlen Infos über aktuelle Projekte, über Erfolge, auch über Misserfolge. Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber als Fördermitglied will man eben ein bisschen teilhaben an dem ganzen Ding. Dann gibt es Tage, da denke ich: Alles gut, ich gebe da Geld hin, passt. Aber wenn man drüber nachdenkt, dann möchte man schon wissen, was passiert. Eine E-Mail mit Informationen würde schon reichen. Dann würde man sich wieder mehr damit beschäftigen. Also nachdenken, was könnte man noch machen oder wie bewertet man das?

Das Greenpeace-Magazin gibt's noch einmal im Jahr, glaube ich. Die haben mal gefragt, wie oft ich das möchte. Da habe ich aus ökologischen Gründen gesagt, einmal im Jahr reicht. Man will ja weniger Papier. Aber das ist eigentlich zu wenig. Mir könnten die das ruhig mehrmals im Jahr per E-Mail schicken. Aber da kommt nichts.

Fühlst du dich heute noch als Fördermitglied?

Eher als Spender. Mitglied heißt für mich, man gehört irgendwo enger dazu. Vielleicht bekommt man mal eine Einladung zu einer Mitglieder-Versammlung oder einem Treffen. Ob ich hingegangen wäre, weiß ich nicht. Aber allein die Möglichkeit wäre schön gewesen. Andere Fördermitglieder treffen, sich austauschen. So etwas fehlt.

Gibt es noch etwas, das dir fehlt?

Es gibt keinen Ansprechpartner für mich als Mitglied. Man liest Namen unter Briefen, aber man hat keine Beziehung dazu. Wenn immer derselbe schreiben würde, hätte man zumindest das Gefühl, da ist jemand.

Ich habe einmal nach 25 Jahren eine Anstecknadel bekommen. Das war okay. Aber man hätte auch nach zehn, zwanzig oder dreißig Jahren mal schreiben können. Es geht nicht um Geschenke, sondern um Wahrnehmung. „Yeah, du bist noch dabei!“ Oder einfach mal fragen: Was erwarten Sie? Was können wir verbessern?

Du unterstützt inzwischen auch den NABU. Fühlt sich das anders an?

Im Moment ja. Beim NABU habe ich das Gefühl, näher dran zu sein. Die schreiben häufiger, ich bekomme regelmäßig E-Mails.

Könnte das Einfluss auf deine Unterstützung haben?

Noch nicht. Ich spiele nicht mit dem Gedanken aufzuhören. Aber wenn ich irgendwo dringend Unterstützungsbedarf sehe und mein Budget begrenzt ist, müsste ich überlegen. Dann würde ich vielleicht einen Teil verschieben.

Was würdest du dir konkret wünschen?

Mehr regelmäßige Informationen, gerne per E-Mail. Weniger reine Spendenaufrufe.
Vielleicht auch Mitgestaltungsmöglichkeiten. Dass man mal gefragt wird: Möchten Sie mehr machen? Reicht Ihnen das so? Oder dass man über Projekte mit abstimmen kann.
Oder Einladungen zu Veranstaltungen, falls es so etwas gibt.
Einfach das Gefühl, Teil der Greenpeace-Familie zu sein und nicht nur derjenige, der zahlt. Ich fühle mich nur noch als Zahler.

Wer müsste den ersten Schritt machen: Du oder die Organisation?

Ich könnte natürlich auch selbst aktiver werden. Aber nach fast 40 Jahren erwarte ich schon, dass die Organisation den Kontakt hält. Sonst entsteht schnell das Gefühl: Solange das Geld kommt, ist alles gut. Und genau da geht die Verbindung verloren.

Vielen Dank für das Gespräch, lieber Mike. Toll, dass du dich schon so lange engagierst und treu bleibst.


GOLDWIND-Analyse:

Mike formuliert Wünsche, die wir von „jüngeren“ Spenderinnen und Spendern immer wieder hören: Sie möchten wahrgenommen und einbezogen werden. Ihnen sind Kontakt und Beziehungspflege wichtig. Sie möchten Teil der „Familie“ sein, statt nur ein „Geldautomat“.

Diesen Wünschen gerecht zu werden, ist die große Herausforderung vor der alle Organisationen stehen. Denn die Umsetzung kommt manchmal gar nicht bei den Spenderinnen und Spendern an. Mike offenbart, wo der Hase im Pfeffer liegt.

Beispiel E-Mail-Adresse: In Mikes Wahrnehmung ist der NABU deutlich aktiver als Greenpeace, schließlich schreibt der ihn regelmäßig per Mail an, Greenpeace nicht. Aus meiner Erfahrung mit beiden Organisationen würde ich sagen, dass kein allzu großer Unterschied besteht. Der Grund an der Stille von Greenpeace liegt vermutlich daran, dass sie Mikes E-Mail-Adresse gar nicht haben. Beim NABU hat Mike erst vor kurzem angefangen zu spenden, online und somit selbstverständlich mit Angabe der E-Mail-Adresse. Bei Greenpeace ist er seit 40 Jahren. Da waren E-Mails noch nicht en vogue. Für ihn als langjähriges Mitglied ist es dennoch logisch, dass Greenpeace seine E-Mail-Adresse kennt. Im Nachgespräch kamen wir aber drauf, dass er sie vermutlich nie mitgeteilt hat. Ich bin mir sicher, Greenpeace hat ihn mal darum gebeten, die Adresse anzugeben, aber er dachte vermutlich jedes Mal: Die kennen die doch und schreiben tun sie eh nicht. >> Es ist wichtig, nicht nur um die E-Mail-Adresse zu bitten, sondern explizit mitzuteilen, dass diese nicht vorliegt. [Hinweis: Ich weiß nicht, ob Greenpeace das nicht sogar getan hat, aber dann zeigt es, dass man das ggf. mehrfach oder offensiver tun muss. Bis es auch Mike versteht :-) ]  

Wenn ein Printprodukt eingestellt oder die Versandhäufigkeit reduziert wird, so sollte das nur im Tausch gegen einen anderen Kontaktkanal geschehen. Mikes Fall ist klassisch: Aus Umweltgründen wollte er Papier vermeiden. Erst später stellte er fest, dass die Entscheidung falsch war. Das führt aber nicht dazu, sich bei der Organisation zu melden und wieder um mehr Zusendungen zu bitten. Er nimmt es hin und bleibt enttäuscht zurück. Die innere Verbindung bröckelt. >> Insbesondere Dauerspender:innen wollen in Verbindung stehen und mitkriegen, was mit ihren Spenden geschieht. Sie sehen eine Bringschuld von Seiten der Organisation.
Greenpeace hatte eigentlich alles richtig gemacht: Sie haben Mike nach seinen Wünschen gefragt und diese berücksichtigt. Der Haken: Mike hat sich falsch entschieden und diese Entscheidung nicht korrigiert. Stattdessen bleibt ein Gefühl von „die schreiben mir nicht mehr“. Manchmal müssen wir Spender:innen vor falschen Entscheidungen bewahren, indem wir sie zu bestimmten Dingen gar nicht fragen oder die Frage nach einem gewissen Zeitraum wieder stellen, um eine Korrektur zu ermöglichen. Wünsche können sich ändern.  

Ansprechpartner: Greenpeace hat selbstverständlich Ansprechpartner und ich bin fast sicher, dass es (meist) derselbe Name ist. Doch es bleibt bei Mike nicht hängen. Denn der Kontakt ist zu selten geworden und weitestgehend auf Spendenaufrufe reduziert. Diese nimmt er zur Kenntnis, aber sie sind schnell beiseite gelegt. Denn er will sich Inhaltlich beschäftigen, kein „Zahler“ sein.

Wichtig: Es geht hier nicht darum zu zeigen, was Greenpeace „falsch“ macht. Im Gegenteil. Greenpeace ist sicher sehr bemüht und kann vieles leisten, was andere Organisationen nicht können. Es geht mir vielmehr darum zu zeigen, wie schwer es ist, bei den Spenderinnen und Spendern durchzudringen – und zwar für alle Organisationen. Würde man bei Greenpeace genau nachfragen, stellt man fest: Mikes Wahrnehmung korrespondiert nicht mit der Realität. Aber seine Wahrnehmung bestimmt, ob die Beziehung als nah oder distanziert erlebt wird.

In der Spenderinterviews erlebe ich das oft. Spender:innen wünschen sich Dinge von der Organisation, die diese eigentlich schon umsetzt. Aber es kommt nicht an. Es ist wichtig, die Wahrnehmung der Spender:innen regelmäßig zu überprüfen, um herauszufinden, ob die eigenen Maßnahmen wirklich den Effekt haben, den man als Organisation bezwecken möchte.  

Und noch wichtiger: Kümmern Sie sich aktiv und explizit auch um die, die scheinbar treu und unerschütterlich sind. In eine gute Ehe muss investiert werden – auch nach Jahrzehnten. Wenn das Gefühl erst einmal entstanden ist, eine Selbstverständlichkeit geworden zu sein, geschieht der Abschied leise.
 


* Das Interview stammt aus dem Jahr 2026. Mike gehört zur Generation X.
 

In der Reihe GOLDWIND fragt – Spender antworten kommen Spender:innen selbst zu Wort, um ihre Sicht der Dinge zu schildern. Die Auswahl der Interviewpartner erhebt keinen Anspruch auf Repräsentativität. Das Augenmerk liegt auf dem individuellen Spenderempfinden, das jedoch oft allgemein bekannte Erkenntnisse widerspiegelt.

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